Was macht „meine Provision“ auf deren Konto?

Sind Sie enttäuscht, weil Sie als Affiliate beim letzten großen Launch keine Provision erhielten? Dann sind Sie nicht allein. DennCookie "First-come, first-served" es erging vielen so. Und zwar all jenen, die in großer Vorfreude auf eine fette Provision, „reichlich spät“ begannen das Produkt zu bewerben. Und „reichlich spät“ bedeutet hier eigentlich ein halbes Jahr zu spät.

Das klingt zunächst absurd, und es kann einem auch den Kamm schwellen lassen, wenn man hinterher erfährt, was man vor Vertragsabschluss eigentlich hätte wissen müssen.

 

Die Beiden Cookie-Traking Methoden

Schließt man nämlich einen Affiliate-Vertrag mit seinem Anbieter/Merchant ab, dann sollte man zuallererst wissen, welche Cookie-Tracking-Methode für die Provisionsvergütung eingesetzt wird. Es gibt nämlich zwei, die entgegengesetzter nicht sein könnten:

–        Die E-Commerce Plattform ShareIT verwendet beispielsweise die Methode:

 

First Cookie Wins“.

Hier bekommen Sie die Provision, wenn der Kunde im Internet surft und zuerst auf Ihrer Seite landet, über Ihren Affiliate-Link zum Produkt kommt und irgendwann einmal das Produkt kauft.

–        Die E-Commerce Plattform Clickbank hat die Methode:

 

Last Cookie Wins“.

Hier bekommen Sie die Provision, wenn der Kunde im Internet surft und zuletzt auf Ihrer Seite landet, von dort aus über Ihren Affiliate-Link zur Produktseite kommt und dann kauft.

 

Viel Promotion, aber keine Provision

Das, was sich hier nun so harmlos anhört, kann in der Praxis ganz schöne Wellen schlagen und ans Eingemachte gehen. Besonders dann, wenn Sie erfahren, wie lange die Lebensdauer von einigen Cookies sein kann und, dass diese bei der First-Cookie-Wins Methode dafür verantwortlich ist, dass Sie im schlimmsten Fall keine einzige Provision erhalten. Schlimmer noch, dass Sie sich bei der Produkt-Bewerbung ein Bein ausgerissen haben, und nun ein anderer Affiliate die Provisionen abkassiert, die Ihnen nach Ihrem Verständnis eigentlich zustehen. Auch wenn er – wenn es ganz dumm läuft – das entsprechende Produkt nie beworben hat.

Ob so viel Ungerechtigkeit könnte man sich nun die Haare raufen und lospoltern. Man könnte aber auch hingehen und die beiden Methoden genau analysieren, weshalb das so ist und was eigentlich dahintersteckt.

Also fangen wir einmal ganz von vorne an.

 

Was ist ein Cookie beziehungsweise ein Tracking-Cookie?

Ein Tracking-Cookie ist eine kleine Text-Datei, die auf dem Computer – namentlich im Browser – Ihres potentiellen Kunden gespeichert wird, sobald dieser von Ihrer Webseite aus auf die Seite Ihres Anbieters/Merchants kommt. Die Webseite Ihres Anbieters/Merchants setzt also einen Cookie auf den Computer Ihres potentiellen Kunden.

Im schnoddrigen Fachjargon sagt man dazu dann: „Man verteilt seine Cookies“.

Das Cookie enthält Ihren Affiliatelink und hat je nach Einstellung eine Lebensdauer/Cookie Lifetime von ein paar Tagen bis zu einem halben Jahr.

Seine Aufgabe ist es, dem Anbieter/Merchant mitzuteilen, dass der potentielle Kunde von Ihrer Webseite kam. Das funktioniert auch dann noch, wenn der Kunde erst ein paar Tage später kauft und dieses Mal nicht über Ihre Webseite, sondern direkt zur Produktseite Ihres Anbieters/Merchants geht, denn das Cookie hat alles gespeichert. Dank ihm erhalten Sie so trotzdem eine Provision, obwohl der Kunde vor seinem Kaufabschluss nicht mehr auf Ihrer Seite war. Das klappt solange, bis die Cookie Liftime/Haltbarkeit abgelaufen ist.

 

Tracking-Methode: First Cookie wins/Last Cookie wins

Nun gibt es aber zwei unterschiedliche Tracking-Methoden, die dafür verantwortlich sind, ob Sie nun als Affiliate eine Provision erhalten oder eben Ihr Affiliate-Konkurrent. Welche der beiden Methoden benutzt wird, können Sie als Affiliate nicht beeinflussen. Denn das obliegt allein Ihrem Anbieter/Merchant, für welche E-Commerce-Plattform er sich einst entschieden hat.

Arbeitet er beispielsweise mit  ShareIT zusammen, gilt die „First Cookie Wins“-Methode, lässt er Ihre Provision über Clickbank abrechnen, dann kommt die „Last Cookie Wins“- Methode zum tragen. Beide Methoden haben ihre Befürworter und beide ihre Gegner.

 

1. First-Cookie-wins-Methode

Angenommen Herr Meier möchte einen Internet-Kurs kaufen und surft deshalb im Internet. Er landet auf Ihrer „Webseite für Internet-Kurse“ und klickt einen Link an, der ihn zum Produkt Ihres Anbieters weiterleitet. Diese Seite setzt einen Cookie mit Ihrem Tracking-Code auf den Computer von Herrn Meier. Der Internet-Kurs gefällt ihm, aber er kauft nicht, weil er noch etwas Bedenkzeit braucht.

Ein Monat später surft er wieder. Er landet zufällig auf einer Seite Ihres Affiliate-Konkurrenten (er ist beim selben Anbieter/Merchant ein Affiliate) und gelangt von dort über einen Link zum Internet-Kurs-Anbieters/Merchants auf die Produktseite. Da ihm der Internet-Kurs immer noch gefällt, kauf er jetzt.

Da Ihr Anbieter/Merchant mit ShareIT zusammenarbeitet, bekommen Sie die Provision, nach dem Prinzip: Wer zuerst kommt, malt zuerst oder auf Englisch: “First come, first served”. Denn Ihr Cookie wurde zuerst, um genau zu sein einen Monat früher gesetzt.

 

2. „Last-Cookie-wins“-Methode

Nehmen wir an Herr Meier möchte auch einen Flirt-Kurs und surft dafür nun auch im Internet. Und das täglich. Er kann sich nicht entscheiden. Er landet zwar wieder als erstes auf Ihrer „Webseite für Flirt-Kurse“, geht von dort aus auf die Produktseite Ihres Anbieters/Merchants, aber er ist selten unentschlossen und surft weiter und weiter auf allen möglich Seiten Ihrer Affiliate-Konkurrenten herum.

Nach 14 Tagen landet er zufällig auf der Webseite eines Ihrer Affiliate-Konkurrenten und entschließt sich jetzt zu kaufen. Er geht über den Link auf die Produktseite und kauft.

Da Ihr Flirt-Kurs-Anbieter/Merchant mit Clickbank zusammenarbeitet, erhalten nicht Sie, sondern Ihr Affiliate-Konkurrent die Provision. Denn Herr Meier war zuletzt auf dessen Seite und er hat danach dann gleich gekauft.

Bis jetzt scheinen ja beide Tracking-Methoden in etwa gleich gerecht zu sein.

 

Ungerechtigkeit beim Launch im Infomarketing Business?

Bunt wird es erst dann, wenn es beispielsweise um einen großen Launch im Infomarketing Business geht. Denn hier wollen innerhalb sehr kurzer Zeit viele Affiliates dieselben Kunden an Land ziehen. Da kommt es dann zu Interessensüberschneidungen und zu langen Gesichtern, wenn das Produkt nach dem First-Cookie-wins-Verfahren getrackt und abgerechnet wird.

Angenommen der Infomarketer Schlauli (hier der Anbieter/Merchant) arbeitet mit SharIT zusammen und macht zwei große Launches im Jahr, und zwar immer nach fünf Monaten. Alle anderen Infomarketer wollen als Affiliate-Partner mitmachen und haben auch schon einen Affiliate-Vertrag mit ihm.

Dann sahnen alle diejenigen Affiliates ab, die eine große Liste haben und mit ihm schon vor längerer Zeit einen Vertrag abgeschlossen haben. Denn sie hatten bei seinem früheren Produkt schon die Möglichkeit Cookies zu setzen. Sie sind sozusagen die First-Cookie-Kings.

Da ihre gesetzten Cookies ein halbes Jahr lang leben, würden ihre Cookies etwa einen Monat später ihr Leben aushauchen, nachdem Schlauli seinen neuen Launch inszeniert. Da er aber seinen neuen Product-Launch-Termin früzeitig bekannt gibt, können auch die Schlafmützen unter ihnen alle sein Produkt promoten, ohne dass die Cookie-Liftime ihrer Cookies irgendwie gefährdet wäre.

Manche Affiliates sind dann noch besonders pfiffig und verbinden ihre Promotion mit einem Gewinnspiel oder mit einem dicken Bonus, damit jeder über ihre Seite rennt.

Verschärft wird das ganze noch dadurch, dass bei ShariIT das Cookieverfahren für alle Produkte aus dem Sortiment des Anbieters/Merchants gilt. So kann ein „Früher-Vogel-fängt-den-Wurm-Affiliate rein theoretisch auch eine Provision für ein Produkt erhalten, das er nie promotet hat.

 

Sie machen die Arbeit, gucken aber in die Röhre

Oder etwas anders ausgedrückt – und das klingt nun sehr frustrierend, aber kann durchaus  der Realität entsprechen – dass Sie als kleiner Affiliate-Späteinsteiger eine Wahnsinns Promotion-Campagne für das Schlauli-Produkt lancieren, aber dafür nicht eine einzige Provosion erhalten. Einfach, weil Ihre Konkurrenten mit dem Cookie verteilen schneller waren. Denn diese hatten ihre – immer noch gültigen – Cookies ja schon beim letzen Launch bereits verteilt, also lange bevor Sie selbst damit anfangen konnten, das neue Schlauli-Produkt zu bewerben. Als kleiner Affiliate-Späteinsteiger ereilt Sie so das Schicksal des Hasen im Märchen: Er rannte sich zwischen den beiden Igeln zu Tode. Sie machen die Arbeit, die anderen kassieren ab.

 

Bei Hype-Launches kommt es zu Interessensüberschneidung

Das Ganze hat aber hauptsächlich die Ursache darin, dass sich in diesem Infomarketing-Business die potentiellen Kundenkreise extrem überschneiden. Jeder hat denselben potentiellen Kunden und jeder will ihm das gleiche Produkt verkaufen und möglichst alles innerhalb weniger Tage. Da sind Interessenskonflikte einfach vorprogrammiert.

Nun kann man sich als Profiteur auf die Seite der Befürworter schlagen, oder sich als Geschädigter in die Reihen der Gegner gesellen und den lieben langen Tag als beleidigte Leberwurst herumschleichen. Oder man kann sich vorher schlau machen und dann überlegen, ob man bei diesem oder jenem Launch-Hype überhaupt mitmacht.

 

Tipp für kleine Affiliate Einsteiger

Ich rate allen kleinen Affiliates in der Internetmarketing-Business-Branche, erkundigen Sie sich vor Vertragsabschluss über das Cookie-Modell Ihres Anbieters/Merchants.

 

Wer profitiert bei der Last Cookie Wins-Methode?

Als kleiner Affiliate-Anfänger profitieren Sie eigentlich nur, wenn Sie einen  Anbieter/Merchant wählen, der mit der Last Cookie Wins-Methode trackt und abrechnet.

 

Wer profitiert bei der First Cookie Wins-Methode?

Wenn Sie es sportlich sehen, steigen Sie bei den Hype-Launches ein, vielleicht verkaufen Sie ja etwas. Wenn Sie bei Ihren Kunden beliebt sind, werden diese vermutlich auch die Cookies auf dem Computer löschen, bevor sie das Produkt kaufen, damit auch Sie die Provision bekommen und nicht die Konkurrenz. Meistens klappt es ja.

Und wenn Sie dann noch ein bisschen Enfant terrible in der Branche spielen wollen, dann schreiben Sie das mit dem „Cookie löschen“ dick und fett auf Ihre Produkt-Seite und setzten einen Link auf eine Homepage, auf der die ganze Problematik erklärt wird.

Haben Sie hingegen eine große Liste und Ihr Business eine große Reichweite, dann dürfte die First Cookie Wins-Methode für Sie interessant, ja, sogar sehr interessant sein.

Aber jemand mit einer großen Liste ist ein Profi. Er hat viel Schweiß und Arbeit in den Aufbau seiner Liste und in seinen Bekanntheitsgrad gesteckt und weiß ohnehin um die Vorteile dieser Methode. Deshalb werde ich hier jetzt mit Sicherheit keine weitere Eule mehr nach Athen tragen.

Raphaela

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4 Antworten auf Was macht „meine Provision“ auf deren Konto?

  • Liebe Raphaela,

    Vielen Dank für diesen Artikel, der auch widerrum aufklärend zum aktuellen oder schon länger bestehenden Problem beiträgt. Da ich eine geschlossene Facebookgruppe zum Thema eröffnet habe……lade ich Dich und Deinen Lesern recht herzlich ein.
    https://www.facebook.com/groups/268916483143981/

    Du hast die Problematik schon recht gut erfasst, aber was noch viel schlimmer ist……Du kannst Deinen Affiliatelink so einstellen, dass Du Deinen Lesern auf eine ganz andere Webseite schickst und dann Cookies vom Produkteanbieter Deiner Wahl auf dessen Rechner setzt……..bewirbst also nicht einmal ein Produkt und setzt trotzdem Cookies, derjenige der ordentlich das Produkt bewirbt ist Nase.

    Wie Du das Problem umgehen kannst? In dem Du Dir selbst eine Verkaufsseite baust und dort einen Link direkt zum Warenkorb setzt. In dem Falle werden alle vorherigen Cookies gelöscht.
    In wie weit das Rechtens ist? Kann ich Dir leider nicht beantworten, aber solltest Du Dir eine eigene Verkaufsseite basteln, frage direkt beim Anbieter ob diese so ok ist. Es sei denn Du bist im Affiliateclub, Ralf Schmitz erlaubt seinen Mitgliedern diese Vorgehensweise.

    Ich hoffe, ich konnte auch etwas positives zum Thema beitragen?…….ob Last-oder First Cookie ist mir persönlich eigentlich egal, denn hier gibt es immer Vor-und Nachteile, oder?

    LG Jacqueline Bork

    • Raphaela
      Raian sagt:

      Hallo Jacqueline,
      danke für deinen tollen Beitrag und den Link auf Facebook.

      Wie heißt es so schön? Im Krieg und in der Liebe sind alle Mittel erlaubt. Aber im Business zahlt sich auf lange Sicht eher Fairness aus.

      Wir können ja mal abstimmen.

      Lieben Gruß

      Raphaela

  • Hallo Raphaela,

    schön dass Du meinen Beitrag veröffentlicht hast……ich bin auch unbedingt für Fairness, leider leider denken nicht alle so……jetzt muss man überlegen, sich dem Problem stellen und nach Veränderung streben oder die Tricks selbst anwenden um mehr Geld zu verdienen oder nach anderen Möglichkeiten ausschau halten.

    LG und ein schönes Pfingstfest wünscht
    Jacqueline

    • Raphaela
      Raphaela sagt:

      Ja, Jaqueline nichts ist so verlockend wie das schnelle Geld.
      Aber auch nichts ist so schnell ruiniert wie der guter Ruf.
      Deshalb halte ich mich an die Weisheit von Konfuzius, die da lautet: „Behandle jeden so, wie du selbst behandelt werden möchtest“.

      Dir auch schöne Pfingsten

      lieben Gruß

      Raphaela

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