Wird Pinterest die neue Abzockerfalle?

Pinterest ist derzeit der Renner unter den Social Media Plattformen. Und das zu recht. Denn keine ist mit ihren erstklassigen Fotos eine so genüssliche Augenweide und keine ähnelt so sehr einem teuren Hochglanzmagazin wie diese.

 

Da möchte man natürlich nicht nur zuschauen, sondern auch selbst ein paar schöne Bilder für seine Freunde oder seine Kunden hochladen. Das ist alles in Ordnung, solange es die eigen sind oder man die Verwertungsrechte daran hat.

 

Weniger in Ordnung ist es dann, wenn man in Deutschland wohnt, einem dummerweise die schönen Bilder auf einer fremden Homepage gefallen und man diese an seine Pinterest Board pinnt, um sie seinen Freunden zu zeigen.

 

Pinterest erstellt eine Kopie

Pintereste erstellt nämlich eine Kopie von den Bildern, die man pinnt. Oder andersherum ausgedrückt, man lässt von Pinterest eine Kopie von dem gewünschten Bild erstellen, die dann auf dem Board angezeigt wird. Und für eine Kopie braucht man die Einwilligung des Urhebers. Hat man die nicht, wird es kritisch. Denn das Risiko liegt dabei nicht bei der Plattform, sondern beim Nutzer.

Und da wir in Deutschland sind, wird es noch kritischer, wenn die Bilder noch eine Rechtsverletzung (beispielsweise etwas Beleidigendes oder Menschenverachtendes) selbst darstellen, denn dann haftet man noch dafür, da man sich ja durch die Verbreitung die Inhalte zuvor zu eigen gemacht hat.

 

Eine Kopie kann teuer abgemahnt werden

Und kritisch heißt in diesem Fall teuer, falls man erwischt wird. Es gibt nämlich Kanzleien, die schicken jeden Morgen ihre abmahnwütigen Anwälte auf  Beutezug und verdienen sich eine goldene Nase, indem sie solche Verstöße ausfindig machen und abmahnen lassen. Eine Abmahnung fängt etwa bei 700 Euro an und kann schnell mal bei 6000 Euro landen.

Damit man davor bewart bleibt, wenn man Inhalte teilt, sollte man wissen, wann einem eine Abmahnung droht. Generell unterscheidet man: verlinken, kopieren, einbinden.

 

Wenn Sie Inhalte durch verlinken teilen

Das Verlinken auf eine andere Webseite mittels eines Links/Verweises (Hyperlinks) wie zum Beispiel auf http://bestercomputerservice.com entweder von einem Bild oder einem Ankertext aus, kann einem niemand verbieten. Auch Deeplinks – also Links, die auf eine Unterseite und nicht auf die Home-Seite der entsprechenden Webseite gehen – sind laut BGHs “Paperboy“-Entscheidung erlaubt.

Wenn allerdings dabei eine technische Schutzeinrichtung umgangen wird, dann wird laut BGH das Recht verletzt: „Das Setzen eines Hyperlink auf ein urheberrechtlich geschütztes Werk in Form eines Deep Link kann das Recht auf öffentliche Zugänglichmachung verletzen, wenn dabei eine vom Berechtigen eingerichtete technische Schutzvorrichtung umgangen wird.“

 

Haften Sie dafür, wenn die verlinkten Inhalte rechtswidrig sind?

In Ausnahmefällen ja, ansonsten haften Sie nicht.

Sie haften jedoch:

Wenn Sie irgendwo so etwas wie: „Ja, das ist genau meine Meinung“, schreiben.

Oder, wenn Sie von der Rechtswidrigkeit gewusst haben und man kann Ihnen das nachweisen wie beispielsweise bei Links auf illegale Downloadseiten oder Kinderpornografie.

Ausnahme

Wenn Sie allerdings Journalist sind und sich im Rahmen der Presse- und Meinungsfreiheit mit der Thematik „Illegale Downloadseiten“ auseinandersetzen, kann das öffentliche Interesse die Rechtsverletzung laut BGH und BVerfG überwiegen.

 

Wenn Sie Inhalte durch kopieren teilen

Wenn Sie auf einer Media Plattform etwas teilen, erstellt diese eine digitale Kopie des ursprünglichen Werkes. Facebook und Google+ erstellt Vorschaubilder, das sind auch Kopien. Somit werden fremde Inhalte vervielfältigt und dafür braucht man eine Einwilligung des Urhebers beziehungsweise des Rechteinhabers.

 

Dürfen Sie die Inhalte teilen?

Sind die Inhalte urheberrechtlich geschützt, dann dürfen Sie sie nur mit Einwilligung der Rechteinhaber kopieren oder pinnen. Holen Sie diese nicht ein, können Sie wegen unerlaubte Vervielfältigung und öffentliche Zugänglichmachung abgemahnt werden. Und Sie haften auch gleich noch, falls die geteilten Inhalte rechtswidrig sind, weil Sie sich ja bewusst fremde Inhalte zu eigen gemacht haben. Da nützt es Ihnen auch nichts, wenn Sie vorsichtshalber noch die Quelle nennen.

Also, wenn Sie fremde Inhalte auf den genannten Plattformen veröffentlichen und Sie über keine Einwilligung der Rechteinhaber verfügen, kann Ihnen eine Abmahnung ins Haus flattern.

 

Wenn Sie Inhalte durch einbetten/embedded teilen

Wenn Sie fremde Inhalte auf Ihrer Webseite einbinden/embedden, dann binden Sie zwar die Originaldatei bei sich ein und stellen keine Kopie her. Sie vervielfältigen das Original zwar nicht, aber Sie machen es an einer Stelle öffentlich zugänglich, wo es der Rechteinhaber vielleicht nicht möchte.

Dürfen Sie Inhalte durch einbetten teilen?

Sie dürfen urheberrechtlich geschützte Werke nur dann auf Ihrer Webseite oder auf einer Seite einbetten, wenn Sie die Einwilligung des Rechteinhabers vorweisen können. Und Sie haften auch für Rechtsverletzungen der eingebetteten Inhalte, da Sie sich ja die Inhalte zu eigen gemacht haben. Egal, ob Sie noch zusätzlich eine Quelle nennen oder nicht.

 

So holen Sie eine urheberrechtliche Einwilligung ein

Durch eine Anfrage

Der sicherste Weg ist, den Urheber oder den Rechteinhaber anzuschreiben oder anzumailen und ihn um schriftliche Erlaubnis zu bitten.

Bereits vorhandene Einwilligung

Nun gibt es Plattformen wie YouTube, die einem das Leben wirklich erleichtern. Im Allgemeinen erlauben dort die Nutzer, die ihre Videos hochladen, dass ihre Inhalte geteilt werden dürfen. Im Besonderen gibt es auch die Option, dass man dies einfach abstellt.

Creative Commons

Alle Inhalte die unter Creative Commons-Lizenzen stehen, dürfen geteilt werden, sofern die Bedingungen dafür eingehalten werden. Leander Wattig erklärt, wie das bei Pinterest funktioniert.

 

Fazit

Wenn Sie teilen, dann nur die eigenen Bilder oder die, von denen Sie die Rechte eingeholt haben.

Wenn es dem einen oder anderen nun auch unlogisch erscheint, dass man nicht alles teilen darf wie man möchte, dem sei gesagt, dass sich auch die Anwälte und die Gerichte nicht immer einig sind.

Unserem angestaubten Urheberrecht würde es daher gut zu Gesicht stehen, wenn es sich einem Facelift unterziehen würde, damit man es so großzugig handhaben könnte wie das der Amerikaner. Dort darf man auch fremde Inhalte pinnen ohne erst die Erlaubnis beim Urheber einzuholen und landet dennoch nicht in der Abmahnfalle.

Mein Beitrag in diese Richtung ist nun zumindest dieser, dass sich jeder mein Pinterest-Design „Pinnie“ – es befindet sich oben rechts auf dieser Seite – pinnen oder einbinden darf, ohne jemals mit einer Abmahnung rechnen zu müssen.

Raphaela Brunson

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